Zu Beginn meines Blogs hatte ich bereits erwähnt, dass es hier den Schärengarten zwischen Stockholm und der Ostsee gibt. Heute war es dann an der Zeit sich das Ganze näher anzuschauen und zu erleben.
Die letzten Wochen hatte Andreas, mein Mitbewohner, schwer an seinem Segelboot geschuftet. Über die Hälfte des Urlaubs gingen dafür drauf. Nicht dass er schon im Herbst, Winter und Frühling dran gearbeitet hätte. Aber wie das immer so ist, erst kommt dies und dann das noch dazu; es läppert sich halt. Für mich wars super ab und zu mitzuhelfen. Ein guter Ausgleich zum Büroalltag. Letztes Wochenende war es dann schließlich soweit, das Segelboot vor unserer Hütte abgeholt und ins Wasser geschmissen. Übringes ist es ein schnuckeliges, ca. 8m langes und im Innenraum großzügiges Segelboot aus den 60er Jahren.
Nach ein paar Testtagen machte sich Andreas auf aus Stockholm den Schärengarten zu erkunden. Ich hatte schon zugesagt vorbeizuschauen. Gestern - miserables Wetter; heute - regenfrei, leicht sonnig und das Wichtigste: es ist windig!
Gegen 8 Uhr machte ich mich auf die Socken. Drei Stunden, erst mit der Tunnelbana, dann einer Bimmelbahn, dem ersten und schließlich dem zweiten Fährschiff, traf ich endlich in Lånda, einer der Schäreninseln, ein. Kurz zuvor hatte ich bei Umsteigen bemerkt, dass die SMS vom Vortag, die Andreas von meinem Besuch vorwarnen sollte, nicht ankommen ist. Angerufen - Mailbox, noch eine SMS - auch nicht zugestellt... Hmm, hoffentlich ist er noch am selben Platz wie zwei Tage zuvor. Ca. ne halbe Stunde vor meiner Ankunft hab ich dann ne SMS der Erleichtung bekommen.
Kaum angekommen legten wir auch direkt ab (Unter Bilder findet ihr die gesegelte Route). Kurze Motorunterstützung aus der Bucht, und zack zack Segel gesetzt, konnts losgehen. Ab ging's kreuzender Weise in richtung unserer Zielinsel Granholmen.
Riesengroß, verwirrend und fantastisch schön, so könnte der Schärengarten beschrieben werden. Ein Labyrinth aus Inseln (Schären) und Wasser. Trotz der imensen Zahl an Schären steht auf jeder mindestens eine Hütte. Wenn ein Stockholmer im Alter hier keine Hütte hat, ist er kein waschechter Stockholmer, so der Eindruck. Das erklärt auch warum Stockholm City wie ausgestorben ist im Juli (zumindest einer der Gründe).
Nachdem mir Andreas alles erklärt hatte, haben wir abwechselnd das Steuerruder übernommen. Das ist gar nicht so einfach wies aussieht. Und beim Kreuzen nochmals deutlich schwieriger. Dabei muss zwischen Geschwindigkeit und Kursrichtung abgewogen werden. Segelt einer stärker gegen den Wind, macht das Boot zwar viel Höhe, ist jedoch sehr langsam. Ist die Richtung fast senkrecht zum Wind, ist man hingegen sehr schnell, gewinnt aber kaum Höhe. Ziel ist es daher zuerst Geschwindigkeit aufzubauen und dann den bestmöglichen Winkel zu finden, ohne großartig langsamer zu werden. Nach etwas übrig funktioniert das schon ganz gut.
Am späten Nachmittag flaute der Wind - entgegen der Prognose - ab. Wir tauschten das Fock- gegen das Genuasegel. Allerdings brachte nach einer weiteren halben Stunde auch das nichts mehr. Mit Motorkraft erreichten wir schließlich unsere Zielschäre Granholmen.
Im Naturhafen (eine etwas größere Bucht) angelegt hatte ich noch eine halbe Stunde um vom Nordteil der Insel auf die südliche Seite zu gelangen. Querfeldein lieg ich weiter und weiter über STock und Stein. "Alles wild auf dieser Insel, keine Sträßchen, das gibt's doch nicht!" Nach ner Viertelstunde stand ich wie in einem schlechten Film auf der anderen Seite der Bucht und blickte auf unser Segelboot - Mist! Ich bin im Kreis gelaufen!
Bitte keine Kommentare zu meinem Orientierungssinn; der Himmel war grau und es war wie Urwald ;) Vor lauter zur Fähre wetzen hab ich natürlich nicht dran gedacht Fotos von besagtem Dschungel zu machen.
Noch 20 Minuten, ob ich das schaffe?! Gedacht hab ichs nicht. Aber nach genau dieser Zeit sah ich den Steg von weitem. Noch 2 Buchten oder anders ausgedrückt 500m über Klippen und Felsen. Dank einer Verspätung des Bootes war ich sogar noch vor dem diesem am Steg. Als ich aus dem unwegsamen Gelände gerannt kam, glotzen die Turis nicht schlecht. Ich war total außer Atem und patschnass. Nassgeschitzt bis auf die Außenhaut meiner Jacke hatte ich zum Glück Wechselklamotten dabei. Sonst hätten das meine Sitznachbarn auf der Fähre sicherlich nicht ausgehalten. Diese schauten mich eh schon komisch an weil ich aussah als sei ich grad n Marathon gelaufen; und dann pack der komsche Typ auch noch Zettel und Stift aus und fängt an zu schreiben wie ein Wilder (diesen Post). Kurz um,
Spitzenmäßiger Tag! Danke Andreas! Jetzt kann's gut geholt in die neue Woche gehen und wer weiss wo ich nächstes Wochenende bin ;)
Song des Tages:
Rod Stewart - Sailing
I am Sailing, I am Sailing,
Home again cross the sea.
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Segeln im Schärengarten
26.07.2010by Brezi... 2 comments
Sommerschlaand – abends halb elf in Mälarhöjden.
14.07.2010
Das geniale Wetter hier in Stockholm hält schon seit meinem Post vor 2 Wochen an. Meine Erasmuskumpels sind inzwischen wieder über ganz Europa verteilt nach Hause geflogen. Auch die Fussballspiele wurden gebührend im Goethe-Institut geschaut und ebenfalls gefeiert. Mit meinen Mitbewohnern hänge ich ebenfalls ziemlich viel rum, was sich nicht zuletzt durch die WM ergibt. Aus diesen Gründen poste ich nach kurzweiligen 2 Wochen endlich mal wieder.
„Die Sonne knallt mir auf den Penis, schen is!“ Dieser Spruch einer mir bekannten Person (Ja, auch andere von euch kennen diese Person) passt ganz gut zu meiner derzeitigen Lage in Mälarhöjden. Man lernt hier schnell den Sommer, der in Schweden doch vergleichsweise kurz ist, in vollen Zügen zu genießen. Mit gerade mal 10 Minuten Fussweg zum Mälaren (Wasser um Stockholm rum) ist das optimal. Nach Feierabend schnell das Schwimmzeug holen und ab zum Strand, um noch ein/zwei Bahnen zu schwimmen – großartig. Am Wasser zu leben is genial.
Normalerweise erkunde ich die Landschaft per Fahrrad. Hier allerdings gibt es auch kleinere Inseln, die ohne Festlandanbindung nur per Boot zu erreichen sind. Andreas, mein Mitbewohner, hat mich daher auf die Idee gebracht, mich in einem der zahlreichen Segelklubs anzumelden, sodass ich jederzeit mir ein Kajak leihen kann. Das werd ich diese Woche mal genauer nachforschen wie das Ganze funktioniert. Grade hier vor der Haustür kommt man innerhalb kürzester Zeit zB. nach Drottningholm. Das ist die Insel auf der die Königsfamilie wohnt, inmitten eines Parks.
Die Fussballspiele habe ich ab dem Achtelfinale im Goethe.Institut in Stockholm geschaut. Diese Enklave beherbergte jedes Mal ca. 150 Deutsche bzw. Deutschfans. Für die Stimmung sorgten natürlich wir, indem wir (eine Handvoll Leute) immer wieder Fussballgesänge angestimmt haben. Nach den Siegen sind wir singend und grölend durch Gamla Stan gelaufen, um dann vor einer deutschbelagerten Kneipe ein HUMPA zu singen. Auch mein spanischer Mitbewohner is natürlich total happy… Schee wars!
Diese Woche habe ich Andreas ein kleines bisschen geholfen, sein Segelboot zu reparieren. Nächste Woche geht’s für ihn damit ins Wasser. Bin mal gespannt, ob alles hält. Sonst hab ich auch viel mit den Jungens und Mädels hier in unserem schnuckeligen Haus unternommen. Sehr offene Schweden, was nicht immer selbstverständlich ist. Sie nennen mich liebervoll „Sommarkatt“ (Sommerkatze), weil ich ja bald wieder raus muss (Ende August). Nächstes Mal erzähle ich euch dann wie’s um eine neue Bleibe steht…
Nun ist es halb elf am Mälarhöjds-Bootsteg. Ich bin so langsam wieder trocken und genieße noch das Abendrot am Horizont. Mein Bierchen ist inzwischen auch schon alle – dann werd ich mich mal auf den Heimweg machen…
Ich hoffe ihr könnt den Sommer trotz den Temperaturen ebenfalls genießen…
Song of the day:
Otis Redding - Sitting on the dock of the bay
...
I'm sittin' on the dock of the bay
Watching the tide roll away
Ooo,
I'm just sittin' on the dock of the bay
Wastin' time
...
by Brezi... 0 comments
Labels: Freizeit